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Das Walnuss-Turnier in Monterosso

Il Torneo di Noci – Ein Volksfest in Ligurien

Viele kuriose Volksfeste gibt es auf der Welt, vom Käserollen in Cooper’s Hill in Großbritannien zu den vielen Heuwagenrennen (Palio) in Italien und den Gummistiefelweitwurf in Finnland. Einige dieser mehr oder weniger sportlichen Wettkämpfe werden traditionell im Herbst veranstaltet. So auch der Torneo di Noci, ein traditionelles Walnuss-Turnier in Monterosso in Ligurien. Es findet jedes Jahr im September statt, wenn die Zeit der Walnuss-Ernte gekommen ist und ist ein Riesen-Ereignis für den 1500-Einwohner-Ort, der jährlich auch einige Touristen anzieht.

Ländlicher Tisch mit Walnüssen

Ländlicher Tisch mit Walnüssen

Was passiert beim Torneo di Noci?

Der Torneo di Noci ist Teil des Walnuss-Festivals in Monterosso al Mare.Neben dem Wettkampf wird auch ein Dialekttheater von regionalen Laientheatergruppen veranstaltet. Daneben werden die üblichen Aktivitäten eines Volksfestes angeboten.
Das Walnuss-Rennen selbst hat ähnliche Regeln wie Boccia, nur werden eben statt Kugeln Walnüsse verwendet. Unter lautstarkem Anfeuern durch die Dorfältesten treiben die ausgelassenen Erwachsenen ihre Walnüsse durch die Gassen und werden wieder zu verspielten Kindern.

Ein übliches Gericht während der Zeit ist Rondelli di Polenta con Salsa di Noce (runde Polenta mit Walnuss-Sauce), das in den Restaurants des Ortes angeboten wird. Auch einige Einheimische kochen es während der Zeit, wenn auch Polenta viel Geduld erfordert.

Festa del Cristo degli Abissi in Ligurien

Was der Cristo degli Abissi?

Heute möchte ich einmal wieder über ein italienisches Volksfest schreiben, um Ihnen die italienische Kultur ein Stückchen näher zu bringen. Benannt ist das Festa del Cristo Abissi nach einer Christus-Statue benannt, die im August 1954 in der Bucht (Capo Croce) in 17 Meter Tiefe versenkt wurde. Geschaffen wurde diese Statue vom Künstler Guido Galletti Genovese. Sie zeigt einen Christus, der seine Arme segnend geöffnet hat und nach oben blickt. Die Christus-Statue ist all jenen gewidmet, die im Mittelmeer den Tod fanden, ob es Fischer waren oder Taucher oder Badende.

Was geschieht beim Festa del Cristo degli Abissi?

Ursprünglich war festgelegt worden, das Festa del Cristo degli Abissi immer am letzten Samstag im August zu feiern. In den letzten Jahren vor der Jahrtausendwende jedoch war das Wetter an diesem Tag immer sehr unangenehm, so dass das Fest auf den letzten Samstag im Juli gelegt wurde. An diesem Samstag fahren Boote im Dunkeln aus allen Häfen rund um St. Fruttuoso di Camogli in das Dorf. Die Gläubigen ziehen dann mit Fackeln zum Kloster, das am Strand liegt. Während der gesamten Zeit herrscht Schweigen. Am Strand übergeben die Prozessierenden Fackeln an freiwillige Taucher, die damit dann zur Christusstatue schwimmen. Ein Taucher legt dann am Fuß der Statue einen Kranz ab und anschließend beten die Anwesenden für die, die ihr Leben im Meer verloren haben. Die Messe am Strand ist sehr bewegend, mit den Wellen, die ans Ufer klatschen und dem Fackelschein. Nach der Messe wird das Schweigen gebrochen und die Anwesenden reden über das Fest oder andere Dinge, fahren mit ihren Booten nach Hause oder zu Freunden, um dort noch etwas Zeit miteinander zu verbringen.

Carte Noir D.O.P. – ein Olivenöl Extra Vergine von Olio Roi

Nachdem ich bereits im Oktober über unseren Besuch bei Olio Roi berichtet habe, möchte ich heute etwas genauer auf sein extra natives Olivenöl “Carte Noir D.O.P.” und die Region eingehen. Dieses Olivenöl extra vergine wird aus den für die Region Ligurien typischen Taggiasca-Oliven gewonnen. Diese sind nach der Ortschaft Taggia benannt, eine zu den befestigten Burg-Dörfern (Borghi) gehörende Siedlung, zu denen auch Ceriana und Badalucco zählen. In der Nähe von Badalucco steht ja auch die Ölmühle Roi.

Carte Noir DOP

die Stadt Taggia, die der Taggiasca-Oliven ihren Namen gab

Taggia ist eine Stadt der Berge und des Meeres, denn das Gebiet der Gemeinde reicht von der Küste mit den sonnigen und steinigen Stränden bis zum Felssporn der Grotte, die der Ursprung Armas ist. Arma ist ein Wort aus der Sprache der antiken Ligurer und bedeutet einfach „Grotte“. Damit bezeichneten die alten Bewohner Liguriens die Siedlung in der Grotte, aus der die Stadt Arma erwachsen ist. Taggia hingegen ist eine Stadt, die wie ein undurchdringliches Knäuel aus antiken Wohnhäusern wirkt. Die erfolgreiche Landwirtschaft (insbesondere der Olivenanbau) und antike Handwerke haben der Stadt Reichtum gebracht, der sich noch heute in zahlreichen Heiligtümern und Monumenten ausdrückt. Besonders die Klosterbauten der Dominikaner und Kapuziner stechen hervor.

Olivenhain in Ligurien

Olivenhain in Ligurien

Sie waren es auch, die den Olivenanbau ermöglichten, indem sie die Berge zähmten, indem sie durch Aufschichtung von Mauern Terrassen schufen, die das Land urbar machten. Die Stadt und das Kloster waren für den Olivenanbau so bedeutend, dass die Olivensorte nach der Stadt benannt wurde: Taggiasca.

Wenn man von Ort zu Ort fährt im schönen Ligurien, kommt man nicht umhin, die im Sonnenlicht silbern schimmernden Olivenhaine zu bemerken. Olivenbäume hat es schon seit Urzeiten in Ligurien gegeben, aber erst das weise Selektieren hat die kostbare Sorte Taggiasca hervor gebracht, die zwar eine kleine Frucht hat, aber sehr ergiebig ist. Auch in Salzlauge eingelegt (salamoia) schmeckt sie vorzüglich.

Badalucco - Stadt der Keramik und des Olivenöls

Badalucco - Stadt der Keramik und des Olivenöls

Badalucco, wo die Ölmühle von Olio Roi steht, ist ebenfalls eine Stadt des Meeres und der Berge. Aber hier ist der Gegensatz zwischen Wasser und Stein spürbarer, wofür auch die vielen Brücken über den Fluss Argentina ein Zeichen sind. Der Eindruck von Stein und Wasser wir d durch die für den Ort typische Keramik aufgelockert, der auch ein Freilichtmuseum gewidmet ist. Eine weitere Spezialität des Ortes ist der Stockfisch, der über die Handelsrouten des Meeres aus Nordeuropa nach Badalucco kam. Ihm zu Ehren gibt es im September das große Fest des Stockfisches, bei dem man essen kann wie im Mittelalter.

Brücke

Brücke

Da das Tropföl-Verfahren langwieriger ist als das Pressen von Öl, entsteht ein exquisites Öl, von dem Olio Roi jährlich nur etwa 400 Flaschen produziert. Das Carte Noir duftet nach frisch geernteten Oliven und frischer Butter. Das Tropföl schmeckt im Abgang etwas nach Pinienkernen. Am besten eignet sich das extra native Olivenöl Carte Noir DOP von Roi zu weißem Fisch, Geflügel und zu leichten Sommersalaten.

Zur Olivenernte bei Olio Roi

Auf dem Weg zur Olio Roi kommen wir an den Olivenhainen mit den Taggiasca-Oliven vorbei.

Olivenhaine am Hang

Ein Novembertag im Örtchen Badalucco, nordöstlich von San Remo. Aldo und ich haben heute Olio Roi besucht. Die Straße führte uns vom Meer immer weiter in Richtung der Berge. Schon auf dem Weg zur Ölmühle trafen wir auf immer mehr Transporter, die den gleichen Weg zu haben schienen.

Der Verdacht bestätigte sich und vor dem Fratoio sahen wir die Bewohner der umliegenden Dörfer mit Behältern voller Oliven. Denn es war Erntezeit und die Oliven müssen schnell verarbeitet werden, damit sich keine Bitterstoffe entwickeln können. In all der Hektik und dem Gewusel hatte Franco, der Besitzer der Ölmühle, zwar kaum Zeit uns zu begrüßen, aber die authentische Einsicht in seine Arbeit entschädigte uns.

Erntefrische Oliven

Erntefrische Oliven

Während die Oliven gepresst werden, erzählt uns Franco, dass er der einzige ist, der noch die alten Granitmahlsteine benutzt. Alle anderen Ölmüller haben bei der Umstellung auf die hygienischen Produktionsanlagen auch ihre Mahlsteine entsorgt, aber da er Wert auf Tradition legt, hat er seine behalten. Sein Vater Giuseppe, genannt Pippo, hat die Mühle in den 1960er Jahren von Wasser- auf Elektrobetrieb umgestellt.

Die anderen Olivenbauern bringen nicht nur ihre Oliven zum Pressen zu Franco, sondern haben auch alle “Proviant” dabei: Sie bringen neuen Wein, denn die Olivenernte fällt mit der Zeit des neuen Weines zusammen.

Granitmahlsteine mit erntefrischen Oliven

Granitmahlsteine mit erntefrischen Oliven

Außerdem gibt es eine spezielle ligurische Pizza, die Sardenara heißt. Sie ist nur mit einfachen Zutaten wie frischen Tomaten, Rosmarin, Oregano und Thymian belegt. Außerdem gibt es Fritelle, ein fritiertes Teilchen, das mit Zucker bestäubt ist. Die Leute bringen Würstchen und Käse aus Toma mit. Es ist wie eine Party – alle essen und trinken, lachen und erzählen.

Das frisch gepresste Olivenöl rinnt aus der Presse.

Das frisch gepresste Olivenöl rinnt aus der Presse.

Bald schon rinnt das erste frische Olivenöl aus der Presse. Franco sagt, dass die Oliven, die am Meer wachsen (nur 60 Meter davon entfernt!), ein süßeres Aroma haben als die Bergoliven, die etwa 12 km vom Meer entfernt stehen. Das Problem sei aber, dass die Bäume anfälliger für Schädlinge wie Fliegen sei. Daher gebe es auch weniger Öl von den am Meer stehenden Olivenhainen.

Aldo probiert das frische Öl

Aldo probiert das frische Öl

Nachdem sich die Mühle langsam leert, haben wir Franco und seine Frau mehr für uns. Wir probieren das frische Olivenöl extra vergine auf frischem Brot- das ist ein Erlebnis, wofür es sich auf jeden Fall lohnt, nach Italien zu reisen! Wir erfahren auch, dass einige Touristen, darunter auch Deutsche, immer wieder in die Region in den Urlaub fahren und dann immer bei Franco vorbei schauen und sich ihren Vorrat an Olivenöl mitnehmen. Klar, wenn man den Erzeuger kennt, schmeckt es gleich viel besser.

In der Frantoio Olio Roi wird aber nicht nur Olivenöl hergestellt, sondern auch Pesto, verschiedene Saucen und Olivencreme. In ihrem Laden verkaufen sie aber auch Produkte aus Olivenholz.

Wie sie es mit uns gemacht haben, führen Franco und seine Frau Besucher gern durch ihren Betrieb, aber nicht nur Erwachsene können sich über die Herstellung von Olivenöl informieren, sondern Francos Frau bietet auch Führungen für Schulkinder an. Um ihnen die Produktionsschritte zu veranschaulichen, hat sie ein Brettspiel entwickelt. Dabei würfelt man sich durch den Herstellungsprozess. Ereignisse, die sich negativ auf den Herstellungsprozess auswirken (Schädlingsbefall) werfen den Spieler auf dem Weg zurück. Positive Ereignisse lassen den Spieler aufrücken. So erfahren die Kinder, wie viele unterschiedliche Faktoren sich auf das Olivenöl auswirken können.

L’Azienda Ranise Olivenöl

Roberto Ranise

Roberto Ranise

Weiter im schönen Ligurien. Heute haben wir uns die Azienda Ranise angeschaut. Sie liegt vor dem winzigen Ort Lecchiore mit nur 200 Einwohnern. Wir sind von Dolcedo, einem auch schon kleinen Ort mit 1300 Einwohnern, über Bellissimi Richtung Lecchiore gefahren. Das Tal hat sehr hohe Berge zu den Seiten und Höhenunterschiede von 50 m bis 1100 m. Durch Dolcedo fließt der Prino und wir mussten zahlreiche Brücken auf unserem Weg überqueren .

Terrassenmauern, teilweise noch die aus dem 16. Jahrhundert

Terrassenmauern, teilweise noch die aus dem 16. Jahrhundert

Als wir ankamen, hat uns Roberto Ranise (eigentlich sogar Dr. Roberto Ranise) gleich eingeladen, einen Spaziergang durch den Olivenhain zu machen. Er führt mit seinem Bruder Claudio das Unternehmen.

Er erklärte uns, dass die Mauern der Terrassen am Berg von Benediktinermönchen im 16. Jahrhundert gebaut wurden. Die Brüder wollten damit das Land urbar machen. Die Steine nahmen sie direkt von den Felsen. Man sagt, dass die Zahl der Steine an Terrassen in Ligurien die der Chinesischen Mauer übersteigt. Ob das stimmt? Ich werde jedenfalls nicht nachzählen.

Das Gästehaus der Azienda.

Das Gästehaus der Azienda.

Die Ernte war gerade im Gange und über die gesamte Fläche des Berges waren unter den Bäumen Netze ausgespannt. Da das Gelände so unwegsam ist, ist es nicht möglich, mit Traktoren oder ähnlichem zu arbeiten. Daher wartet man, dass die reifen Oliven von den Bäumen fallen und ins Tal kullern. Früher, erzählte uns Roberto, bevor die Netze eingeführt worden waren (vor 1950), kamen jeden Winter Frauen aus dem Süden des Piemont nach Ligurien, um die Oliven von Hand zu pflücken. Sie hatten in ihren Heimatdörfern im Winter keine Arbeit. Teilweise ließ man die Oliven auch einfach auf den Boden fallen. Deshalb war damals die Qualität des Olivenöls noch nicht so gut wie heute, weil die Oliven durch das Fallen Druckstellen erhielten und Bitterstoffe entwickelten. Zum Teil lagen sie auch lange auf dem Boden und zogen Ungeziefer an.

Maria füllt Kräuter in die Fläschchen, in die später das Öl kommt.

Maria füllt Kräuter in die Fläschchen, in die später das Öl kommt.

Schon die Benediktiner bauten die Olivensorte Taggiasca an, die nach dem Ort Taggia benannt ist. Da der Geschmack der Oliven sich verändert, je nachdem, ob die Olivenbäume näher am Meer oder mehr in den Bergen wachsen (süßer am Meer, bitterer in den Bergen), verwendet Ranise nur Oliven von Bäumen, die zwischen 300 und 600 m Höhe wachsen. zu der Azienda selbst gehören etwa 1000 Bäume, aber sie haben noch 1000 mehr von Landbesitzern gepachtet. Ihre Ölmühle steht in Dolcedo.

Langsam gingen wir wieder bergab auf das Gästehaus der Azienda zu. Es liegt recht abgeschieden in den Bergen, ist aber auch nicht weit vom Meer entfernt und somit eine ideale Unterkunft. Dann nahm uns Roberto mit in die Produktionsanlage.

die verschiedenen Kräuteröle

die verschiedenen Kräuteröle

Das extra native Olivenöl wird als solches in Flaschen verkauft, aber Ranise stellt auch aromatisierte Öle her. Die Frauen des Betriebes binden die Etiketten in Handarbeit an die Gläser. Und Maria, die für die Kräuteröle verantwortlich ist, füllt die Kräuter von Hand in die Fläschchen, wo sie dann mit Öl übergossen werden.

Zu dem Gästehaus gehört auch ein kleiner Laden, in dem die Produkte der Azienda an die Gäste verkauft werden. So hat man zu Hause die Möglichkeit, eine Flasche Öl zu öffnen und sich an den Duft und den Geschmack des Urlaubs zu erinnern.

der kleine Laden, der zum Gästehaus gehört

der kleine Laden, der zum Gästehaus gehört

Ich habe für die Firmenküche gleich zwei Flaschen mitgenommen: Thymian- und Zitronenöl.