Erdbeben in Norditalien

Emilia Romagna

Schweres Erdbeben erschüttert Italien

Vergangene Woche erschütterte ein Erdbeben Norditalien. Mit Werten bis zu 6,0 auf der Richter-Skala stürzten Wohnhäuser, Kulturdenkmäler und Fabriken ein. Mindestens sieben Menschen kamen dabei ums Leben. Diese Meldung hat uns sehr betroffen gemacht. Viele unserer Erzeuger leben in dieser Region, vor allem in der Region Emilia-Romagna, von wo der Parmaschinken, der Parmesan und der beliebte Aceto balsamico stammen. Aus der Po-Ebene stammt auch der Grana Padano-Käse, dessen Herstellung ähnlich der des Parmesan ist. Dass ich hier die Produkte aus der Erdbeben-Region aufzähle, soll Ihnen nicht nur die eventuellen zukünftigen Probleme beim Nachschub vor Augen führen, sondern vielmehr auf die Menschen hinter den Produkten hinweisen. Viele der Hersteller und ihre Familien kenne ich persönlich. An ihren Produkten hängen ihre Existenzen.

Käserei in Terremoto

Käserei in Terremoto

Tausende Käselaibe bei Erdbeben in Italien zerstört

Es mag erst einmal lächerlich klingen, schließlich ist es nur Käse. Aber wer sich einmal den Herstellungsprozess vor Augen führt, dem wird bewusst, wie langfristig die Auswirkungen des Bebens sind. Die beiden extremsten Beispiele sind der Aceto balsamico tradizionale von Giuseppe Giusti und der Parmesan DOC und Grana Padano DOC. Die Herstellung des Aceto balsamico tradizionale zieht sich schließlich über 25 Jahre hin und wenn dort das Erdbeben zugeschlagen hat, dann ist der Nachschub für die nächsten 25 Jahre ungewiss. Für den Feinschmecker mag es „nur“ eine Delikatesse sein, aber für Giusti wäre sein Leben und die Tradition, die seine Familie seit dem frühen 17. Jahrhundert hält, zerstört. Ich konnte allerdings Claudio am schon am Montag erreichen: Bei ihm ist alles heile geblieben.

Das andere Beispiel sind Parmesan und Grana Padano. Erste Medienberichte sprechen von 400.000 zerstörten Käselaiben. Noch versuchen die Käsereien, die unzerstörten Käselaibe zu retten und können nicht genau sagen, wie viele tatsächlich durch das Beben unbrauchbar bzw. ungenießbar gemacht wurden. Auch hier muss man bedenken, dass beide Käsesorten bis zu 72 Monate reifen müssen, bevor sie in den Handel kommen. 72 Monate, in denen sie gehegt und gepflegt werden und in denen sich ihre Qualität und somit ihr Wert steigert. 72 Monate, die jetzt komplett bei Null beginnen müssen. Sofern der Nachschub an regionaler Milch gesichert ist.

Die ganze Arbeit futsch...

Die ganze Arbeit futsch…

DOC-Status als Nachteil?

Das mag makaber klingen, aber die Käseproduktion beginnt nun einmal bei den Kühen. Und da sowohl Parmigiano Reggiano als auch Grana Padano mit dem DOC-Siegel versehen sind, ist ihre Herkunft geschützt. Und diese Herkunftsbezeichnung beginnt bei der Herkunft der Milch. Daher kann man nicht einfach die Milch aus anderen Regionen heranschaffen und daraus neuen Käse produzieren. In einer Region, wo die Landwirtschaft derart auf die Herstellung solcher Produkte spezialisiert ist und ganze Dörfer davon leben, ist eine Katastrophe wie das Erdbeben eben nicht nur verheerend, weil Wohnhäuser und Kulturdenkmäler zerstört wurden. Es hat weitaus weitreichendere Folgen.

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