Das Fest der Incappucciati

Italienische Bräuche, Latium

Wann ist das Fest der Incappuciati?

Letzte Woche habe ich über den Karneval in Venedig geschrieben; diese Woche soll es um ein dazu gehöriges Fest gehen, das in Gradoli in der Region Latium gefeiert wird. Das Fest heißt Il Festa degli Incappucciati e il Pranzo del Purgatorio, zu Deutsch etwa Das Fest der Kapuzenträger und das Mahl des Fegefeuers. Klingt äußerst gruselig, ist aber weniger schlimm als es sich anhört. Das Datum des Karnevals ist von Ostern abhängig, ein Fest, dessen Datum wiederum vom Mond abhängt. Ostersonntag fällt jedes Jahr am ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond nach der Winter-Tagundnachtgleiche. Der italienische Karneval beginnt sieben Wochen vor der Karwoche.

Wie wird das Fest der Incappucciati gefeiert?

Eine Karnevalsfigur mit schwarzer cappuccio

Eine Karnevalsfigur mit schwarzer cappuccio

Dem aufmerksamen Leser wird die Ähnlichkeit des Wortes Incappucciati mit Cappuccino aufgefallen sein. Das ist kein Zufall, denn Cappuccino bedeutet nichts Anderes als „Kapuziner“. In Gradoli ist das folkloristische Brauchtum noch besonders gut erhalten. Am Giovedì Grasso (dt. fetter Dienstag = Fastnacht), dieses Jahr am 16. Februar, zieht eine Prozession von Mitgliedern der Confraternita del Purgatorio (=Bruderschaft des Fegefeuers) mit schwarzer Kleidung und langen Kapuzen (it. cappuccio) begleitet von bunt gekleideten Karnevalisten durch die Gassen und Straßen. Sie wollen die Menschen daran erinnern, dass die Zeit des Karnevals bald vorbei und die Fastenzeit nah ist. Sie klopfen an die Türen und bitten um Lebensmittelspenden, vor allem traditionelle landwirtschaftliche Produkte wie Käse, Salami, Oliven und Schinken. Die Incappucciati bringen alle diese Gaben auf den Marktplatz, wo am Mercoledì delle Ceneri (Aschermittwoch) ein großes Essen veranstaltet wird. Dieses ist das Pranzo del Purgatorio, das Fegefeuer-Mahl, das die Fastenzeit einläutet. Die Menschen beten beim Essen für Gnade und für ihre Seelen im Fegefeuer. Bis in die 1950er Jahre durften nur Männer an diesem Mahl teilnehmen.

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