Apulien

Linguine di Suocera – Schwiegermutterzungen Pasta Nudeln

Linguine di Suocera

Als wir vor kurzem auf einer unserer kulinarischen Entdeckungsreisen in Apulien waren, ist uns eine bisher unbekannte Spezialität begegnet Linguine di Suocera. Linguine sind eine relativ bekannte Pastaform, deren Name wörtlich übersetzt Zünglein (im Plural) heißt. Es sind lange dünne Nudeln, die in Ligurien unter dem Namen Trenette meistens zu Pesto alla Genovese serviert werden. Ein bekanntes und beliebtes Gericht aus Ligurien ist außerdem Linguine alle vongole (mit Venusmuscheln). Aber wir waren ja in Apulien und dort gibt es eben die Linguine diSuocera. Das heißt übersetzt Schwiegermutterzungen und ist sicher kein Kompliment für Schwiegermütter. Vermutlich verhält es sich ähnlich wie mit dem Kaktus, der als Schwiegermutterstuhl bekannt ist.

Eine Auswahl an bunter Marella-Pasta

Eine Auswahl an bunter Marella-Pasta

Schwiegermutterzungen Pasta

Die Ränder der Schwiegermutterzungen-Pasta sind nämlich gezackt, man denkt an die sprichwörtliche „spitze Zunge“, die manchen Schwiegermüttern nachgesagt wird. Wahrscheinlicher ist aber, dass die Länge der Pasta mit dem langen Redeschwall der Klischee-Schwiegermutter in Verbindung gebracht wird. Denn auch die beliebte Zimmerpflanze mit dem gleichen Namen hat sehr lange schmale Blätter.
Aber vielleicht ist es alles ganz harmlos und es ist einfach eine Pastaform, die von liebevoll kochenden Schwiegermüttern in Apulien zubereitet wird.

Linguine di Suocera

Linguine di Suocera multicolore

Linguine di Suocera Multicolore

Aus Apulien haben wir jedenfalls bunte Schwiegermutterzungen aus der Manufaktur Marella. Dieser Pastahersteller hat viele besondere und vor allem bunte Pastaformen im Sortiment, darunter eben auch die Linguine di Suocera. Alle Pastaformen werden bei Marella von Hand hergestellt. Die Farbstoffe werden selbstverständlich nach alter Tradition aus pflanzlichen Zutaten gewonnen. Es empfiehlt sich, diese bunten Nudeln nicht zu kochen, sondern nur zu sieden, damit sie ihre Farbe nicht verlieren. Außerdem sollten sie mit einer hellen Sauce serviert werden, wenn man die Pasta auch optisch genießen möchte.

Keramik aus Grottaglie

Olivenöl in Keramikkrügen

Die grüne Edition

Die grüne Edition


Auf unserer letzten Reise durch Apulien konnten wir das Familienunternehmen Muraglia für uns gewinnen. Diese Familie presst Olivenöl. Nun können Sie einwenden, dass wir doch inzwischen genügend Ölmüller als Partner haben, aber Muraglia hat eine Besonderheit, wegen der wir nicht auf sie verzichten können: Sie füllen ihr Olivenöl in wunderschöne Keramikkrüge ab. Diese Krüge werden in Handarbeit in Grottaglie getöpfert und bemalt. Damit sind die Olivenöl-Krüge ein wundervolles Geschenk.

Die Kleinstadt Grottaglie in Apulien

Regenbogen-Krug

Regenbogen-Krug

Grottaglie genießt über die Landesgrenzen hinaus einen ausgezeichneten Ruf in der Töpferkunst. Es gibt zwar in Italien viele Kommunen, die ihre Töpferwaren für die besten halten, doch in Grottaglie gibt es die letzte Kunsthochschule für Töpferkunst (Istituto Statale d’Arte di Grottaglie). Auch das Wissen um die Glasierung der Töpferwaren wurde hier schon früh angewendet. Dadurch wurden die Erzeugnisse nicht nur schöner anzusehen, sondern auch haltbarer und stellte Grottaglie weit über die Konkurrenten.
In der Altstadt reiht sich ein Töpfergeschäft an das andere, geschmückt mit kunstvoll gestalteten Fliesen.

Produkte aus Grottaglie

Punkte (oder bunte Oliven?)

Punkte (oder bunte Oliven?)

Neben farbenfrohen Fliesen und Dachziegeln sind besonders Krippenfiguren bei den Touristen als Souvenir beliebt. Wichtige Produkte für den täglichen Gebrauch sind der capasone (ein großes Gefäß für Wein oder Olivenöl), der srulu (ein Wasser- oder Weinkrug) und pumu (dekorative Figuren, die man auf den Balkons der Stadt sehen kann).
In Wochenkursen können Touristen einen Einblick in die Töpferkunst gewinnen und dann ein selbst gestaltetes Souvenir mit nach Hause nehmen. Dann hängen auch intensivere Erinnerungen daran als wenn man sich nur in einen Laden gedrängt hat.

Die Trulli in Apulien

Trulli – Rundhäuser in Apulien

Wer uns bei Facebook folgt, konnte heute lesen, dass wir die letzte Nacht in einem Trullo in Alberobello (Apulien) übernachtet haben. Unten können Sie ein Bild sehen, wie so ein Trullo aussieht, denn wer so etwas noch nie gesehen hat, wird sich unter dem lustigen Namen nichts vorstellen können. Die Häuser mit dem runden Grundriss (wird wohl auch tholos genannt) kommen in Italien vor allem in Apulien vor. Sie werden ohne Mörtel errichtet, indem die Steine ganz dicht übereinander und ineinander geschichtet werden. Dank der sehr dicken Wände ist es im Sommer im Innern – wie ich ja nun selbst bestätigen kann – angenehm kühl. Im Winter heizt ein Kamin die Hütte und die Wärme wird im Innern gespeichert.

Trulli in Alberobello

Trulli in Alberobello

Geschichte der Trulli

Woher genau die Trulli stammen, weiß man heute nicht mit Sicherheit zu sagen. Es gibt die Vermutung, dass die ersten in der Türkei erbaut wurden.
Die Trulli sind keine Wohnhäuser in dem Sinn, dass sie nicht in der Siedlung standen, sondern im Feld. So boten sie den Feldarbeitern während den Pausen oder bei Unwettern Schutz. Auch religiöse Einsiedler errichteten sich solche Trulli in der Einöde. Wenn weitere Mönche sich dazu gesellten und weitere Trulli errichteten, konnte ein Kloster entstehen. In einigen Orten, so auch in Alberobello, wo wir übernachtet haben, sind die in Reihe angeordneten Trulli mit Mauern verbunden und bilden so Häuser mit mehreren Räumen.
Die Gegend um Alberobello war bis ins 17. Jahrhundert ein Waldgebiet. Der Name leitet sich von arbore bello ab, was „schöner Wald“ bedeutet. Erst auf einer Karte von 1808 kann man inmitten des Waldes eine Siedlung erkennen, die sehr dem heutigen Plan der Siedlung ähnelt. Im 20. Jahrhundert wurden die Trulli als Arme-Leute-Häuser in Alberobello nach und nach verlassen. Für den Tourismus wurden sie Ende des 20. Jahrhunderts wieder entdeckt und restauriert, wobei die Restaurierung strengen Regeln unterworfen ist, weil sie zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören.

Trulli in Deutschland

Auch in Deutschland gibt es trulli-ähnliche Häuser zu entdecken. In den Weinbergen in Rheinhessen gibt es solche Rundbauten, die den Arbeitern in den Weinbergen im 18. Jahrhundert als Schutz dienten. Allerdings nennt sie der Volksmund nicht Trulli, sondern Wingertsheisje (also Weingartenhäuschen) oder s weis Heisje („das weiße Häuschen“), da sie zum Schutz vor der Sonne weiß getüncht sind. Die Ähnlichkeit zu den apulischen Bauten muss nicht verwundern, wenn man weiß, dass apulische Gastarbeiter (im 18. Jahrhundert!) diese Hütten nach dem Vorbild ihrer Heimat errichteten. Das bekannteste Wingertsheisje steht in Flonheim, andere in Monsheim-Kriegsheim, Flörsheim-Dalsheim, Wachenheim und Worms-Pfeddersheim).

Apulien

Die Region Apulien in Italien

Die Region Apulien liegt im Südosten Italiens und bildet damit den Absatz des Stiefels. Allerdings erstreckt sich die Region noch etwas weiter nördlich über den Stiefelabsatz hinaus, denn den Absatz selbst bildet nur die Halbinsel Salento. Hauptstadt der Region Apulien ist Bari, eine Hafen- und Universitätsstadt. Neben dem Tourismus ist die Landwirtschaft in Apulien ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. An der Küste der Adria und des Ionischen Meeres gedeihen Weizen (für Pasta), Oliven und Tomaten. Auch viele Mandelbäume prägen das Landschaftsbild. Die wichtigsten roten Rebsorten in Apulien sind Primitivo, Negroamaro und Sangiovese.

Trulli - die eigentümlichen Rundhäuser in Apulien

Trulli - die eigentümlichen Rundhäuser in Apulien

Sehenswürdigkeiten in Apulien

Unter den Sehenswürdigkeiten in Apulien ist zunächst die Hauptstadt Bari zu nennen, die etwa 4000 Jahre alte Siedlungsspuren vorweisen kann. Außerdem kann man die Kathedrale San Sabino, die San Nicola-Kirche und das normannische Kastell bewundern. Weltberühmt ist auch die Burg Castel del Monte, die als Vorbild für das Kloster in der Verfilmung von Umberto Ecos „Der Name der Rose“ diente. Die weitläufigen Strände Apuliens laden zum Entspannen und Baden ein. Zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören die Trulli, Rundhäuser, die ohne Mörtel errichtet wurden von denen einige als Ferienhäuser angeboten werden. Für archäologisch Interessierte bieten die Schauhöhle des Altamura-Mannes und Funde von Dinosauriern bei Altamura einen Zeitvertreib.

Die Küche Apuliens

Einfache, bäuerliche Küche prägt das kulinarische Bild Apuliens. Jedoch haben einige Produkte Weltruhm erlangt, so zum Beispiel fünf Olivenöle, die den DOP-Status verliehen bekamen. Berühmt ist außerdem das Altamura-Brot aus der gleichnamigen Stadt, das ebenfalls DOP-Status hat. Wichtige Fleischlieferanten sind Schafe, die mit Erbsen und Kräutern zu einem traditionellen Eintopf namens Cutturidde verarbeitet werden. Ein populäres alkoholisches Getränk der Region ist Padre Peppe, dessen Zubereitung auf einen Mönch im 19. Jahrhundert zurück geht. Süße, gebackene Spezialitäten sind in der Mandel-Region Apulien ebenfalls sehr bedeutend.

Die Region Apulien und ihre Spezialitäten

Die Region Apulien

Die Region Apulien liegt, wenn man sich Italien als Stiefel vorstellt, dort, wo bei Reitstiefeln die Sporen wären. Und ebenso leidenschaftlich, bunt und laut, wie Reiterspiele sind, ist diese Region an der Adria. In den Ebenen wächst der Hartweizen, der der Region Apulien auch den Beinamen „Kornkammer Italiens“ eingebracht hat. Außerdem ist Apulien bedeutend im Weinanbau. Der Beiname „Weinkeller Italiens“ steht hierfür als Beweis bereit. Auch andere landwirtschaftliche Produkte, wie Artischocken, werden in großen Mengen in dieser Region angebaut.

Ein abgeerntetes Weizenfeld in Apulien.

Ein abgeerntetes Weizenfeld in Apulien.

Hartweizen aus Apulien

Da in der Kornkammer Italiens weite Weizenfelder das Bild der Landschaft prägen, ist es kein Wunder, dass hier auch die vielfältigen Pastasorten zu Hause sind. Aber bevor aus Hartweizen Pasta oder Pizza werden, müssen die Körner zu Mehl oder Grieß gemahlen werden. Mit reinem Wasser vermischt erhält man einen geschmeidigen Teig, der zu den typisch apulischen Nudelformen wie Orecchiette (Ohrnudeln) verarbeitet werden. Diese werden dann häufig mit Miesmuscheln genossen; bekannt ist das Gericht als Pasta alla cozze.

Olivenöl im fiasco.

Olivenöl im fiasco.

Olivenöl aus Apulien

Ein Produkt aus Apulien, das ebenfalls aus der italienischen nicht wegzudenken ist, ist Olivenöl. Das Olivenöl der Frantoio Galantino ist sogar vom Magazin DER FEINSCHMECKER ausgezeichnet worden. Auch den Preis Ercole Olivario gewann das Olivenöl von Galantino bereits. Typische Olivensorten der Region sind Coratina und Ogliarola. Nach der kalten Pressung wird das frische Olivenöl in der Frantoio Galantina in dekorative Gefäße gefüllt, z.B. die aus der Toskana bekannten fiaschi, in der früher Chianti transportiert wurde.

Olivenöl in einer schönen Tonamphore.

Olivenöl in einer schönen Tonamphore.

Weitere Spezialitäten aus Apulien

Die Lage an der Adria prädestiniert Apulien für die Gewinnung von Salz. Sowohl feines Meersalz als auch grobes wird in den Salinen an der Küste gefördert und ist bei Genießern weltweit geschätzt. Das salzhaltige Meerwasser fließt dabei in immer tiefer gelegene Becken und verdampft durch die Sonneneinstrahlung. Das grobe Meersalz wird in einer Salzmühle in der heimischen Küche oder an der Essenstafel gemahlen und erhöht auf einfache Weise das Feinschmecker-Feeling. Weitere Spezialitäten aus Apulien sind halbgetrocknete Tomaten, die als Antipasto sehr beliebt sind oder gebogene Grissini mit Fenchel, die sowohl zu Salaten als auch zu Suppen köstlich schmecken.

Halbgetrocknete Tomaten aus Apulien.

Halbgetrocknete Tomaten aus Apulien.