Emilia Romagna

Zu Besuch bei Herstellern von italienischen Delikatessen in der Emilia-Romagna.

Feinkost aus der Emilia-Romagna

Kulinarische Hauptstädte der Emilia-Romagna

Strand von Rimini

Strand von Rimini

Die Region Emilia-Romagna wird südlich vom Apennin und nördlich vom Fluss Po begrenzt. Dazwischen liegen so berühmte Städte wie die Universitätsstadt Bologna, Parma, Modena, das für seinen Dom berühmte Piacenza, Ravenna und die Adria-Stadt Rimini. Die Hauptstadt der Emilia-Romagna ist Bologna, nach der das berühmte Ragù di Bologna benannt ist. Diese Sauce gehört auch außerhalb Italiens zu den beliebtesten, wenn es um Pasta geht. Andere Feinkost-Highlights aus den Städten dieser Region sind die Spezialitäten aus Parma: der berühmte Parmaschinken und der Parmesan. Aus Modena und Reggio nell’Emilia kommt der Aceto balsamico tradizionale, der in den letzten Jahren einen ungeahnten Beliebtheitsschub erlebt hat.

Parma – traditionsreiche Feinkost der Emilia-Romagna

Parmaschinken

Parmaschinken

Der berühmte Prosciutto di Parma ist neben Südtiroler Schinkenspeck, Culatello di Zibello und San-Daniele-Schinken wohl der bekannteste Prosciutto aus Italien. Charakteristisch ist, dass der Knochen in der Keule verbleibt. Seine kupferrote Farbe zeichnet ihn ebenfalls aus. Die andere Spezialität der Stadt Parma ist der Parmesan. Ein Hersteller ist der Familienbetrieb Caseificio Gennari. Der Parmesan aus dem Supermarkt ist meist 24 Monate gereift, aber es gibt ihn auch nach 36 Monaten als stravecchio und nach 72 Monaten als extra stravecchione zu kaufen.

Aceto balsamico – der Exportschlager der Emilia-Romagna

Giusti Aceto Balsamico

Giusti Aceto Balsamico

Ein Erzeugnis der Emilia-Romagna hat in den letzten Jahren einen unglaublichen Boom erlebt: Der Aceto balsamico di Modena. Dabei muss man allerdings bei den Bezeichnungen Aufmerksamkeit walten lassen, denn der Name „Aceto balsamico di Modena“ ist nicht geschützt und kann weltweit hergestellt werden. Einzig der Aceto balsamico tradizionale, also der traditionelle Balsamessig, kommt wirklich aus Modena oder aus Reggio nell’Emilia. Die Herstellung einer Flasche dieses Elixiers dauert vom Einkochen des Traubenmostes bis zum Abfüllen mindestens 25 Jahre, was seinen durchaus hohen Preis rechtfertigt.

Parmigiano Reggiano

Parmigiano Reggiano

Auch konnte man vor 25 Jahren den Boom noch nicht absehen, so dass heute das Angebot der Nachfrage nicht ganz entspricht. Einer der ältesten und besten Balsamico-Hersteller ist die Acetaia Giuseppe Giusti, die seit über 100 Jahren zahlreiche Preise gewonnen hat.

Daher ist die Region Emilia-Romagna nicht nur wegen ihrer von Weinbergen geprägten Landschaft und der geschichtsträchtigen Städte eine Reise wert, sondern auch wegen der italienischen Spezialitäten, die dort direkt vom Erzeuger genossen werden können. Für die Produkte muss man allerdings auch nicht so weit reisen, sondern kann sie bequem im Internet bestellen.

Parmesan aus der Caseificio Gennari

Im Tal des Flusses Po sind wir gestern von Parma aus nach Südwesten aufgebrochen, um die Caseificio Gennari zu besuchen. Dort wollten wir uns den Familienbetrieb ansehen und uns die Herstellung von Parmigiano Reggiano vor Ort anschauen. Die Käserei liegt nordöstlich etwas außerhalb des Ortes Collecchio. Wir hatten uns vorher natürlich schon etwas informiert und wussten daher, dass der Familienbetrieb 1953 von Sergio und Maria Gennari gegründet wurde. Sergio ist inzwischen gestorben und so überwacht nun Mamma Maria das Unternehmen allein, wird dabei aber von ihren vier Kindern Tino, Pietro, Paolo und Rosangela unterstützt. Die Familie, die laut Aldo den lokalen, schwer verständlichen Dialekt spricht, legt großen Wert auf Tradition. Das Wissen über die Herstellung des Parmesan haben die Söhne von ihrem Vater vermittelt bekommen.

Mamma Maria Gennari

Mamma Maria Gennari

Das Werden des Parmesans beginnt mit dem Melken der familieneigenen etwa 1200 Kühe. Innerhalb von zwei Stunden muss die Milch in die Käserei gebracht werden. Über Nacht ruht diese Abendmilch in großen Kupferkesseln. Am nächsten Morgen wird der Rahm, der sich oben auf der Milch sammelt, abgeschöpft und die im Kessel verbliebene teilentrahmte Milch mit frischer Morgenmilch versetzt. Behutsam wird diese Milch angewärmt, mit Milchferment vom Vortag versetzt und mithilfe von Kälberlab zum Gerinnen gebracht.

Der Käse wird gebrochen

Der Käse wird gebrochen

Anschließend wird mit dem spino genannten Ballonsieb die geronnene Masse in kleine Körnchen gebrochen. Das Ergebnis nennt man Käsebruch. Um nun der Flüssigkeit Wasser zu entziehen, wird der Kessel auf 33-34°C erhitzt. Danach setzten sich die Körner am Boden des Kessels ab. Jetzt wird die Käsemasse mit großen Tüchern aus dem Kessel gehoben und diese Säcke über dem Kessel aufgehangen. So kann die Molke heraustropfen.

Käsebruch im Leinentuch

Käsebruch im Leinentuch

Der Bruch wird wieder erhitzt – dieses Mal auf ca. 55°C. Danach wird die Käsemasse in fascere genannte Formen gefüllt, wo er zwei bis drei Tage ruhen muss. Die Familie Gennari bereitet am Tag zwölf dieser Formen vor. Nach der Ruhezeit werden die Käselaibe in spe in einer 20-tägigen Periode wiederholt in eine Salzlake getaucht.

Käseregale voller Parmesan

Käseregale voller Parmesan

Dann erst beginnt die Reifezeit, die mindestens zwölf, meistens aber wenigstens 24 Monate andauert. Während dieser Zeit entwickelt der Parmigiano sein Aroma. Die Käseräder müssen während dieser Zeit immer wieder kontrolliert, gesäubert und gepflegt werden. Nach 12 Monaten erfolgt die erste Prüfung durch einen Experten. Die Hersteller sind im Consorzio del Formaggio Parmigiano-Reggiano organisiert und kontrollieren sich gegenseitig. Die Überprüfung beinhaltet die Suche nach Löchern oder Rissen in der Oberfläche, Geruchsproben, das Testen durch Abklopfen der Oberfläche und die Entnahme von Bohrkernproben.

Parmesan mit dem DOP-Siegel

Parmesan mit dem DOP-Siegel

Nur der Käse, der die Prüfung besteht, darf als Parmigiano-Reggiano verkauft werden. Der Parmesan wird je nach Reifezeit in verschiedene Altersklassen eingeteilt, die sich alle durch ein spezifisches Aroma auszeichnen: nach 12 Monaten wird er nuevo genannt, nach 24 Monaten vecchio. Dann riecht er nach einem Gleichgewicht aus süß und herzhaft, schmeckt nach frischer Milch, Sahne, Joghurt und Butter. Stravecchio heißt er nach drei Jahren und hat dann ein Aroma von Getreide und schmeckt etwas salziger. Nach 4 Jahren nennt man ihn stravecchione und er hat einen warmen Geschmack nach Nüssen, Kastanien oder Mandeln angenommen. Er schmeckt würzig, aber noch nicht pikant.

Ich prüfe die Qualität

Ich prüfe die Qualität des Parmigiano-Reggiano

Der Methusalem unter den Parmigiani ist aber der, der 72 Monate, also sechs Jahre gereift ist und den man extra stravecchione nennt. Er duftet nach geröstetem Kaffee, ist sehr viel würziger, und hat das Aroma von Kastanien und bitterer Schokolade.
Familie Gennari verkauft ihren Käse in einem kleinen Laden, der aber auch andere Lebensmittel feil bietet. Außerdem kann man ihren Parmesan in einem großen Laden namens Eataly in Turin kaufen. Dort werden auch Verkostungen und Kochshows angeboten, wobei großer Wert auf SlowFood gelegt wird.
Gegen Ende unseres Besuchs kam Paolo Gennari mit einem Glas Honig auf uns zu. Er freute sich wie ein Kind, als er uns erzählt hat, dass er diesen Akazienhonig als Hobby selbst herstellt und sogar schon einen Preis dafür gewonnen hat. Wir haben uns herzlich für das Geschenk bedankt.

Acetaia Leonardi Balsamico-Herstellung

Nach den Ölmühlen haben wir uns heute mal eine Acetaia angesehen. So heißen die Essigfabriken in Italien. Naja, richtige Fabriken sind es nicht, sondern meistens Familienbetriebe. In dem Örtchen Magreta bei Modena in der Nähe des Flusses Secchia liegt die Villa der Familie Leonardi. Der Betrieb besteht seit 1871 und stellt besten Aceto Balsamico Tradizionale di Modena her. Ein sehr langer Titel, aber nur so heißt der echte Balsamessig aus Modena und Umgebung. Zur Unterscheidung von echtem ABTM (so die offizielle Abkürzung) vom Supermarkt Aceto Balsamico di Modena gleich mehr.

Parkplatz der Acetaia Leonardi

Parkplatz der Acetaia Leonardi

Zurzeit wird der Betrieb in der vierten Generation von Francesco Leonardi geführt, der sein Handwerk vom Vater Giovanni gelernt hat. Beide haben Zertifikate als Balsamico-Verkoster (mit mindestens ebenso schwierigen Aufgaben wie Weinverkoster) und sind Mitglieder der Consorteria dell Aceto Balsamico Tradizionale di Modena. Wie bei den meisten alteingesessenen Aceterien baut auch die Acetaia Leonardi auf Fässern auf, die als Mitgift einer Großmutter in die Familie kamen. Ihr stolzester Besitz ist ein Fass aus dem 16. Jahrhundert.

Die Fassbatterien mit den immer kleiner werdenden Fässern werden "

Die Fassbatterien mit den immer kleiner werdenden Fässern werden "

Durch die Räume führte uns Mattia, der für den Export verantwortlich ist. Er erklärte uns, dass Balsamessig aus Traubenmost hergestellt wird. Das ist schon einmal der Hauptunterschied zwischen dem Tradizionale und den Supermarkt-Essigen. Denn wenn man da mal auf das Etikett schaut, steht als erste Zutat meistens „Weinessig“. Die Trauben für den Balsamico-Essig stammen von den Reben der Lambrusco- und Trebbianostöcke. Familie Leonardi baut ihren Wein auf ihrem Gut “Campi Macri” an. Der Most wird bei ziemlich niedriger Temperatur über offener Flamme 50 Stunden eingekocht, bis die Hälfte der ursprünglichen Flüssigkeit verkocht ist. Es entsteht ein Sirup, der schon jetzt dicker ist als der angebliche „Aceto Balsamico“ aus dem Supermarkt. Nach einer Filterung wird diesem Sirup mindestens zehn Jahre alter Balsamessig und 10 % frischer Wein zugefügt. Diese Flüssigkeit kommt in das erste, große Holzfass.

Großes Fass

Großes Fass

Die Fässer werden traditionell auf den Dachböden der alten Häuser gelagert. (Ich hoffe, man sieht das schräge Dach auf dem Foto als Beweis.) Die Fenster sind stets geöffnet, so dass die frische Luft vom Secchio durch die Räume wehen kann und die Verdunstung angeregt wird. Übrigens gibt es verschiedene Holzarten, aus denen die Fässer gemacht sind – Edelkastanie, Esche, Maulbeere, Traubeneiche, Wacholder und Vogelkirsche. Jedes Holz gibt dem Essig sein spezifisches Aroma ab, so dass der Winzer mit der Auswahl der Fässer das Aroma des Endproduktes beeinflussen kann.

Qualitätsprüfung

Qualitätsprüfung

Die Reihe an sich verkleinernden Fässern wird Batteria genannt. Bei Leonardi sind die unterschiedlich großen Fässer in verschiedenen Räumen untergebracht, die nach den Holzarten der Fässer benannt sind. Durch die Luftzirkulation entweicht Flüssigkeit aus den Fässern, die nicht ganz geschlossen, sondern deren Öffnungen mit einem stempelförmigen Holz bedeckt sind. Jedes Jahr wird die Menge an verdunstetem Essig aus dem nächstgrößeren Fass aufgefüllt. So entsteht der Essig über viele, viele Jahre aus einer Mischung der unterschiedlichen Jahrgänge. Das ist ein Grund, warum kein Alter auf den Essigflaschen stehen darf. Der Aceto wird während der Reifezeit auch immer wieder auf seine Qualität hin geprüft.

Nach 12 Jahren kann die erste Abfüllung erfolgen, aber sie macht nur ein bis zwei Prozent der gesamten verkauften Menge aus. Man nennt den Essig zu diesem Zeitpunkt Invecchiato, also „gereift“. Bevor er aber verkauft werden darf, wird der Aceto zur Consorteria gebracht, wo die Probe anonymisiert und von fünf Experten getestet wird. Wenn er die Probe besteht, werden verschiedene Siegel (Rot, Silber und Gold) je nach Reifegrad verliehen. Auch die Form der Flaschen ist übrigens von der Consorteria vorgeschrieben. Auch wenn manche Anbieter sehr hübsch anmutende Flaschen verkaufen, muss daher noch lange kein „echter“ Aceto Balsamico drin sein. Nach 25 Jahren wird der Aceto extra vecchio genannt.

Sala Stravecchio

Sala Stravecchio

Der Einsatz von ABTM beschränkt sich nicht nur auf die Küche, obwohl die Möglichkeiten seiner Verwendung da schon sehr vielseitig sind (auf Salaten, aber auch auf Süßspeisen…). In der Region um Modena gilt der Aceto als Hausmittel. Man sagt dort auch, dass ein Tag ohne Aceto Balsamico wie ein Tag ohne Sonne sei. Mattia erzählte uns, dass seine Großmutter jeden Morgen einen Löffel Balsamico zu sich genommen habe, wenn sie heiser war. Und wenn er sich beim Fußballspielen verletzt habe, hätte sie immer etwas Balsamicoessig auf die Wunde getan. Das habe zwar gebrannt wie Hölle, hätte aber geholfen.

Pfauen im Garten

Pfauen im Garten

Er glaubt sich auch zu erinnern, dass seine Mutter Balsamico mit Wasser verdünnt für die Haarwäsche verwendet habe. Sie habe immer gesagt, dass davon die Haare heller und weicher werden. Da ich schon blond bin, ist das für mich nichts, aber gut zu wissen. Mattia hat uns dann den Aceto auch als Verdauerli empfohlen. Ein wirkliches Wundermittel. Aber selbstverständlich muss man dafür dann nicht den 25 Jahre gereiften Balsamessig nehmen!

Am Ende der Führung trafen wir auf dem Weg zum Parkplatz noch ein Rudel (oder wie das bei Vögel heißt) Pfauen, die zur Villa gehören.