italienische Kultur

Einzelne Kulturphänomene rund ums Essen in Italien beschrieben.

Weihnachtslied Santa Lucia

Santa Lucia Strophen 1-4

Santa Lucia Strophen 1-4

Weihnachtslieder überall

Beim Einkaufsbummel – selbst im Supermarkt – kommt man kaum umhin mit Weihnachtsliedern beschallt zu werden. Nebenbei bemerkt ein Grund mehr für den Online-Einkauf, wobei man sich die Hintergrundmusik selbst aussuchen kann. Je nach Örtlichkeit hört man dann Radiopopklassiker wie Last Christmas, Rudolph the Red Nosed Reindeer oder Jingle Bells oder (vor allem auf dem Weihnachtsmarkt) die deutschen Klassiker In der Weihnachtsbäckerei oder Kling Glöckchen.
Während manche dieser Weihnachtslieder Kindheitserinnerungen wecken und Weihnachtsstimmung aufkommen lassen, können andere wiederum eher das Gegenteil bewirken, weil man von den ständigen Wiederholungen nur noch genervt ist.

Italienische Weihnachtslieder

Selbstverständlich gibt es auch in Italien jede Menge Weihnachtslieder. Eines der bekanntesten ist Tu scendi dalle stelle (=Du steigst herunter von den Sternen), ein anderes Buon natale (=Frohe Weihnachten). Der Bezug zum Anlass wird mit Gesù Bambino ‘l È Nato (= Das Jesuskind wird geboren) hergestellt. Dass auch deutsche Lieder in andere Sprachen adaptiert werden, sieht man an Mille Cherubini in Coro (=Tausend Cherubinen im Chor), das eigentlich ein Wiegenlied von Franz Schubert ist. Das österreichische Weihnachtslied Stille Nacht heißt auf italienisch Astro del Ciel.

Santa Lucia

Ein italienisches Lied, das man auch immer mal wieder hört, ist Santa Lucia. Im italienischen Text, von dem rechts die ersten vier Strophen abgebildet sind, wird lediglich eine ruhige Seeszenerie beschrieben und die Heilige Lucia aufgefordert, ins Boot zu steigen. Santa Lucia ist eine Heilige, über deren Fest ich bereits im vorletzten Jahr berichtet habe. Ihr Fest wird am 13. Dezember in Italien und kurioserweise in Schweden begangen.
Das Lied Santa Lucia ist ein traditionelles neapolitanisches Lied und wurde im 19. Jahrhundert von Teodoro Cottrau niedergeschrieben. In Skandinavien existieren verschiedene Textfassungen, um es für das Luciafest nutzbar zu machen. Die bekannteste ist die schwedische Fassung Sankta Lucia, ljusklara hägring .
Einer der bekanntesten Interpreten war Elvis Presley, der es 1965 auf seinem Album Elvis for Everyone verewigte.

Vincenzo Bellini – ein sizilianischer Komponist

Vincenzo Bellini – ein Kind der Sonneninsel Sizilien

Heute schweife ich mal etwas ab von den italienischen Spezialitäten, aber es gibt eine Verbindung vom Opernkomponisten Vincenzo Bellini zu den kulinarischen Köstlichkeiten. Doch dazu später mehr.
Vincenzo Bellini wurde 1801 in Catania in Sizilien geboren. Seinen ersten Instrumentalunterricht erhielt er von seinem Großvater Vincenzo Tobia Bellini. Dieser war als Kapellmeister an der Kathedrale tätig gewesen. Doch der junge Vincenzo suchte sein musikalisches Glück nicht in der sakralen Musik, sondern fand schon als Teenager Zugang zur feinen Gesellschaft in Catania, für die er Lieder mit Klavierbegleitung komponierte. Aufgrund der Gönnerschaft durch den Herzog und die Herzogin von Sammartino konnte Vincenzo Bellini am Reale Collegio di Musica di San Sebastiano in Neapel studieren.

Vincenzo Bellini

Vincenzo Bellini

Der Opernkomponist Vincezo Bellini

Die Abschlussarbeit am Collegio war die Oper Adelson e Salvini. Durch den Erfolg dieser Oper wurde der Rossini-Förderer Domenico Barbaja auf ihn aufmerksam. Auf dessen Anregung entstand die Oper Bianca e Fernando. Danach ging es rasant bergauf für den jungen Opernkomponisten Bellini: Auf die Zusammenarbeit mit der Scala in Mailand folgten Aufträge aus Venedig, London und Paris. Die anfangs harmonische Kooperation mit dem Librettisten Felice Romani verschlechterte sich im Laufe der Jahre und der Zwist wurde von der Presse als gefundenes Fressen aufgenommen und genährt. Das führte 1834 zum Bruch zwischen beiden Künstlern, die seit Bellinis Zeit in Mailand ab 1827 zusammen gearbeitet hatten.

Der frühe Tod des Vincenzo Bellini

Im Januar 1835 arbeitete Bellini an der Oper I Puritani am Théatre Italien in Paris. Die Uraufführung erfolgte am 25. Januar. Kurz darauf verschlimmerte sich ein Leber- und Darmleiden des Komponisten derart, dass er sich auf sein Landhaus zurückzog. Die Krankheit zog sich bis zum Herbst hin und am 23. September verstarb der junge Komponist, für Freunde und Bekannte überraschend. Es wurden Mutmaßungen über eine Vergiftung laut. Die Popularität des Vincenzo Bellini war bereits so groß, dass er am 2. Oktober mit den Ehren eines Staatsbegräbnisses bestattet wurde. Der Leichnam wurde auf dem Friedhof Père-Lachaise bestattet, aber 1876 nach Catania überführt.
Die Sizilianer lieben ihren Vincenzo und haben als Erinnerung an sein Schaffen einem sizilianischen Nudelgericht einen mit ihm verbundenen Namen verliehen: Das Gericht Spaghetti alla Norma ist nach seiner erfolgreichen Oper benannt. Wenn Sie in Andenken an den früh verstorbenen Komponisten dieses Gericht zubereiten wollen, finden Sie das Rezept für Spaghetti alla Norma in unserer Datenbank.

Die Borgias – eine erstaunliche Familie im Rom des 15. Jahrhunderts

Die Borgias im Fernsehen

Bereits seit dem 11. September läuft im österreichischen Fernsehen die amerikanische Historienserie Die Borgias. Irgendwann im Herbst (das genaue Datum steht noch nicht fest) soll auch Sat1 diese Serie ausstrahlen. Ich habe schon einige Blicke auf die Serie im Original werfen können und wollte den baldigen Serienstart zum Anlass nehmen, auf die Serie und diese außergewöhnliche Familie aufmerksam zu machen.
Stammvater der Familie ist Rodrigo Borgia, der zu Anfang (wir befinden uns im Jahr 1492) Kardinal in Rom ist. Trotz seines hohen kirchlichen Amtes hat er eine Familie mit vier Kindern (darunter Cesare und Lucrezia). Durch allerlei Intrigen gelingt es ihm – SPOILERALERT! – zum Papst Alexander VI. gewählt zu werden.

Die Borgias als TV-Nachfolger der Tudors

Papst Alexander VI.

Papst Alexander VI.


Empörend genug, dass Rodrigo Borgia (seine Familie stammt übrigens aus Spanien) nach den Priesterweihen eine Mätresse und mit ihr vier Kinder hat, nebenher hat er auch noch eine weitere Geliebte. Aber das ist der Stoff, aus dem historische Filme gemacht sind. Tolle Kostüme und Kulissen, sehr wahrscheinlich übertrieben intrigante und brutale Handlungen…Wer die Tudors mochte, wird die Borgias lieben! In den USA jedenfalls lagen die Einschaltquoten der Borgias höher als die der Erfolgsserie der Tudors.
Der englische Schauspieler Jeremy Irons (bekannt aus Der Mann mit der eisernen Maske) spielt Rodrigo Borgia/ Alexander VI. und Holliday Grainger (Jane Eyre und die Serie Merlin) die bezaubernde Lucrezia Borgia. Die anderen Schauspieler waren mir vorher nicht bekannt.

Die echten Borgias

Cesare

Cesare


Bereits der Onkel von Rodrigo Borgia war Papst gewesen, als Kalixt III. war er von 1455 bis 1458 das Oberhaupt der katholischen Kirche. Während dieser Zeit förderte er die kirchliche Laufbahn seiner Neffen Rodrigo und Pedro Luis derart, dass Rodrigo zunächst Kardinal und später sogar selbst Papst wurde. Die Politik der Borgias, die Rodrigos Sohn Cesare zum Kardinalsamt verhalf, ließ die Familie zum Inbegriff des Nepotismus werden, dem Verleihen kirchlicher Ämter an Verwandte.
In der spannenden Umbruchszeit zwischen Spätmittelalter und Renaissance war Rodrigo nicht gerade ein Vorbild für Moral, aber ein geschickter Politiker und Diplomat. Durch Verheiratung seiner Kinder (diejenigen, die er nicht für die kirchliche Laufbahn vorgesehen hatte) mit Königshäusern im kleinstaatlichen Italien außerhalb versuchte er Verbündete zu gewinnen. So wurde Lucrezia mit Giovanni Sforza und nach Annulierung der Ehe mit Alfonso von Aragon verheiratet. Nach Alfonsos Ermordung wurde sie schließlich die Frau des Alfonso d‘Este; ihr kleiner Bruder Gioffre heiratete die um einiges ältere Sancia von Aragon aus dem Königreich Aragon und Neapel.

Man sieht schon, es wird eine spannende Serie. Bisher ist nur eine Staffel abgedreht, aber insgesamt sind wohl vier geplant.

Nachtrag vom 4. Oktober: Inzwischen steht fest, dass Die Borgias ab November immer mittwochs auf ProSieben statt wie ursprünglich geplant auf Sat1 ausgestrahlt werden.

Der Karneval in Fano

Alle schreiben und reden über den Karneval von Venedig, der sicherlich auch legendär ist, aber das habe ich letztes Jahr schon getan. Warum Sie nicht auch einmal jenseits der ausgetretenen Touristenpfade entführen? Glücklicherweise habe ich einen Freund in Fano (Region Marken), der vergangenen Sonntag beim Karneval war und ein paar Fotos gemacht hat. Freundlicherweise darf ich die zur Illustration verwenden.

Karneval in Fano

Karneval in Fano

Die Geschichte des Karnevals von Fano

Das Besondere am Karneval von Fano ist nämlich, dass es der älteste in Italien ist. Sicher, ein ähnliches Fest gab es als Saturnalien bereits in der Antike. In der Form, wie Karneval heute gefeiert wird, mit den Umzugswagen und dem Werfen von Süßigkeiten, ist er jedoch zu allererst in Fano schriftlich belegt. Im Jahr 1347 war es, als die beiden angesehenen und reichen Familien Del Cassero und Da’Carignano als Zeichen ihrer Versöhnung die Karnevalsfeierlichkeiten ins Leben riefen.

Karneval in Fano

Karneval in Fano

Il getto und vulon

Wie man es aus rheinischen Karnevalshochburgen kennt, werden auch in Italien Süßigkeiten von den Festwagen geworfen und die Zuschauer halten umgekehrte Regenschirme in die Luft, um möglichst viele davon aufzufangen. Dieses Werfen heißt im Italienischen il getto.
Eine Besonderheit des Karnevals in Fano ist die Puppe Vulon. Wer sich ein wenig mit italienischem Karneval auskennt, weiß, dass es in jeder Stadt bestimmte Figuren gibt, die symbolisch für einen Charakterzug oder einen Beruf stehen. Manche Figuren gibt es in allen Städten, einige sind spezifisch für eine Stadt, wie Vulon. Diese Figur repräsentiert die wichtigsten Persönlichkeiten der Stadt Fano.
Eine weitere Besonderheit des Karnevals von Fano ist die musica arabita, eine Art Receyclingband, die seit 1923 auf Konservendosen, Kaffeetassen und ähnlichem die passende Musik zum ausgelassenen Treiben liefern.
Den Abschluss des Karnevals bildet ein Umzug mit beleuchteten Festwagen.

Festa della Rificolona in Florenz

Volksfeste in der Toskana

Im September werden in der Toskana viele Volksfeste gefeiert. Vermutlich hängt das mit der einsetzenden Erntesaison zusammen, die zu früheren Zeiten ein Ende des Hungers bedeutete und darum ein Grund zum Feiern war. Eines der Feste ist die Festa della Rificolona in Florenz, die sich wohl als Begleiterscheinung des großen Herbstmarktes am 7. September entwickelt hat. Dieser Markt wird als sehr bedeutsam angesehen, da sich an diesem Tag die Bauern aus der ganzen Umgebung vor dem Winter trafen. Für den langen Weg mussten sie sich vor Sonnenaufgang auf den Weg machen und beleuchteten ihren Weg mit papiernen Laternen.

Abendstimmung über Florenz

Abendstimmung über Florenz

Lichterumzug der Kinder

Es wird vermutet, dass sich daraus der Lichterumzug der Kinder entwickelt hat, der heute charakteristisch für die Festa della Rificolona ist. Ähnlich wie bei uns am St. Martinstag ziehen Kinder mit Laternen durch die Gassen. Aber weniger friedlich als in Deutschland, denn andere Kinder schießen mit Erbsenkanonen auf die Laternen. Das heißt, heute dienen Lehmkügelchen als Munition.

Früher waren es jedoch die Kinder der Stadtbewohner, die auf die Bauernfamilien und deren Laternen schossen, denn in deren Sonntagsstaat sahen sie für die Städter nur lächerlich aus. Die Kinder machten sich über die Dörfler mit Liedern wie diesem lustig:

Ona, Ona, Ona,
O che bella Rificolona,
La mia l’é coi fiocchi,
La tua l’é coi pidocchi!

 

(Ona, ona, ona,
seht die schöne Rificolona,
meine ist wunderschön,
in deiner wohnen Läuse.)

Die Laternen und die beste Kleidung sind geblieben, aber heute sind es nur noch die Städterkinder, die das nächtliche Florenz beleben.

Die Laternen für die Festa della Rificolona

Die Stadt bietet in den Tagen vor dem Fest Kurse für die Kinder an, in denen sie lernen, ihre eigenen Laternen zu basteln. So will die Stadt die alte Tradition der kunstvoll gestalteten Laternen aufrecht erhalten. Selbstverständlich sieht man aber auf den nächtlichen Straßen gekaufte Laternen, die denen in Deutschland sehr, sehr ähnlich sehen. Für die Kinder zählt aber wahrscheinlich sowieso nur das lange Aufbleiben und der etwas gruselige und daher aufregende Gang durch die dunkle Stadt.