Ligurien

Zu Besuch bei Herstellern von italienischen Delikatessen in Ligurien.

La Gallinara s.r.l. Pesto

Unser Ausflug führte uns heute in die Pesto-Manufaktur La Gallinara. Herumgeführt wurden wir von Britta, die eine enge Freundin des Besitzers Marco Natucci ist.

Britta

Britta

Marco ist ein gutaussehender Italiener aus Albenga mit einer Leidenschaft für Pesto. Ihm sind Qualität und Frische besonders wichtig. Pesto alla Genovese ist die Spezialität von La Gallinara, aber sie stellen auch andere Saucen her: Tomatenpesto, Tomaten-Basililkum-Sauce, ligurische Tomatensauce, sonnengereifte und getrocknete Tomaten, Creme aus sonnengetrockneten Tomaten, Saucen mit Anchovies, eingelegte Oliven und viel, viel mehr.

Pestogläser bei der Abfüllung

Pestogläser bei der Abfüllung

Marcos Heimat Albenga liegt im Herzen des Basilikumlandes. Kein Wunder also, dass er den Genuss seiner Leidenschaft mit vielen Menschen teilen möchte. Am wichtigsten sind ihm dabei die Auswahl frischer Zutaten und eine qualitativ hochwertige Verarbeitung. Die Erntezeit für Basilikum liegt in den Monaten Juni und Juli.

Patricio und Daniela haben sichtlich Spaß an der Arbeit

Patricio und Daniela haben sichtlich Spaß an der Arbeit

Drei Mitarbeiterinnen helfen ihm bei der Auswahl des besten frischen Basilikums, der dann weiterverarbeitet wird.
In der Fabrik war es zwar wegen der alten Abfüllmaschine höllisch laut, aber die Mitarbeiter schien das nicht zu stören. Sie hatten Spaß an der Arbeit, wie man auf dem Foto sieht.

Produktpalette

Produktpalette

Am Ende der Führung hatten wir die Möglichkeit, noch einen genauen Blick auf die Vielfältigkeit der Produkte zu werfen. Neben Olivenöl sind mir noch Kapern in Salzlake, Walnuss-Sauce und Zwiebelsauce ins Auge gefallen. All diese Köstlichkeiten werden Gourmets weltweit vermarktet und bringen seit über 25 Jahren den Geschmack Liguriens in die Welt.

Bei unserem anschließenden Spaziergang durch die Stadt Alassio fiel uns eine Reklame für La Gallinara ins Auge. Das Wetter war übrigens viel besser als es das Bild vermuten lässt. Allein die kleine Stadt ist schon eine Reise wert, mit ihrer mittelalterlichen Befestigungsanlage, die wohl vor allem gegen Pirateneinfälle schützen sollte. Britta hatte uns den la Gallinara-Laden in einer malerischen Gasse empfohlen, aber vor lauter Sightseeing haben wir wohl die Zeit vergessen und standen vor verschlossenem Tor, als wir ankamen.

Reklameuhr

Reklameuhr

Italienisches Olivenöl von der Frantoio Venturino

Olivenhain

Olivenhain

Die Frantoio Venturino liegt nicht weit vom Örtchen Diano San Piatro entfernt. Wir fuhren von Diano Marina über verschlungene, kurvige Straßen und sahen am Wegesrand schon die Olivenhaine mit den Taggiasca-Oliven. Der Ort ist malerisch in den Bergen gelegen und ein Fluss schlängelt sich durch das Dorf. Die alte Ölmühle gehört seit 1945 der Familie Venturino und Valter, der sie führt, zeigte uns seinen Betrieb.

Er erzählte uns von der langen Tradition der Olivenölpressung in der Region und nahm uns mit in seinen Olivenhain. Ich dachte ja früher, dass Oliven von unterschiedlicher Farbe auch an unterschiedlichen Bäumen wachsen, also zu verschiedenen Sorten gehören, aber die unterschiedliche Farbe hat nur mit dem Reifegrad zu tun. Grüne Oliven sind eben noch jung, aber sie werden dunkler, je älter sie werden.

verschiedene Reifegrade

verschiedene Reifegrade

Gerade, wenn sie von grün nach schwarz wechseln, werden sie geerntet. Der Farbwechsel ist wahrscheinlich ähnlich bedingt wie bei Blättern im Herbst – das Chlorophyll weicht aus den Oliven in den Baumstamm zurück und entzieht ihnen die grüne Farbe. Sie werden möglichst vorsichtig geerntet, damit sich durch Druckstellen keine Bitterstoffe bilden können. In der Mühle werden sie von Blättern und anderen Verunreinigungen befreit und gewaschen. Dann kommen sie in die Presse.

Dass auf heutigen Ölflaschen „kaltgepresst“ steht, ist eigentlich irrelevant, sagte Valter, denn heute werde Olivenöl immer kalt gepresst, d.h. unter 27°C. Früher, als die Technologie noch nicht so ausgereift war, habe man die Überreste der ersten Pressung erwärmt, um noch einmal Öl daraus pressen zu können. Das Öl, was dabei entstand, war aber als Speiseöl nicht zu gebrauchen und wurde als Lampenöl (Lampantöl) verwendet.
Neben der Verarbeitung zu Olivenöl werden die Oliven und z.B. auch Artischocken von Venturino eingelegt verkauft.

Nachdem wir uns die Anlagen zur Olivenölpressung angesehen hatten, erzählte uns Valter noch etwas über Pesto alla Genovese. Das Basilikum wird von Juni bis Juli geerntet und soll ohne Konservierungsmittel gelagert werden. Bevor er weiter verarbeitet wird, muss er gereinigt werden.

Pestogläser

Pestogläser

Die großen Fabriken kochen das Basilikum, um ihn zu desinfizieren, aber dadurch gehen die wertvollen Inhaltsstoffe verloren. Bei Venturino werden die Blätter mit Amuchin gereinigt, einem rein natürlichen Desinfektionsmittel aus einer chlorhaltigen Kochsalzlösung, das auch in der Medizin verwendet wird. Danach werden die Basilikumblätter mit Olivenöl und Salz gepresst. So bleiben die Inhaltsstoffe erhalten. Valter verwendet nicht Parmesan für sein Pesto, sondern Grana Padano. Außerdem dürfen Pinienkerne nicht fehlen.

Beim Rundgang über das Grundstück fiel mir ein Oldtimer ins Auge, ein blauer Fiat Ballilla mit dem Lenkrad rechts, wie bei englischen Autos. Valter erzählte mir, dass der Wagen von 1934 seinem Vater gehört hat und dass er ihn gerade restauriere. Er ist sein ganzer Stolz.

Der alte Balilla von Valters Vater

Der alte Balilla von Valters Vater

Wir haben dann noch den kleinen Laden durchstöbert, in dem Venturino-Produkte verkauft werden. Neben den Erzeugnissen, die mit Olivenöl zusammenhängen, gibt es auch Keramik. Das ist so ein richtiger Laden mit Familienathmosphäre, wie man ihn sich auf dem Dorf vorstellt.
Als ich die Olivenholzprodukte gesehen habe, habe ich mich gewundert, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass die Olivenbäume gefällt werden, um daraus Besteck oder Geschirr zu machen – schließlich werden die Bäume doch für die oder sogar von den Oliven gebraucht… Valter hat mir aber dann erklärt, dass die Olivenbäume jedes Jahr beschnitten werden müssen und dass das Holz von diesem Beschnitt stammt.

Portofino

beim Wählen der Speisen

beim Wählen der Speisen

In Portofino, waren wir in einem Restaurant und haben frischen Fisch gegessen. Es war Sonntag und irgendwie wie im Film: Yachtbesitzer in geschmackvoller und sicher exquisiter Kleidung, meistens weiß, mit schicken Sonnenbrillen. Alle sahen sehr sportlich und fit aus und als ob sie wissen, wie man das Leben genießt.

große und kleine Boote

große und kleine Boote

Auf jeden Fall haben wir auch einen wundervollen Sonnentag am Meer verbracht und die Ruhe der Nebensaison genossen.

Der Ort ist ja wirklich winzig und scheint nur aus Fischerhäusern und Yachten zu bestehen. Es kommen sehr viele Prominente in das malerische Dorf und es wurden einige Filme dort gedreht, unter anderem auch Teile der Serie Reich und Schön. Das sagt eigentlich schon alles über die Atmosphäre. Neben der Glamour-Seite gibt es aber auch sehr natürliche Ecken, etwas oberhalb des Dorfes mit einem wunderbaren Blick auf die Bucht.

Portofino-Ansicht von oben

Portofino-Ansicht von oben

Strada dell’Olio

Strada dell'Olio

Strada dell'Olio

Die Straße des Olivenöls entlang kommt man selbstredend an Olivenhainen vorbei. Dann gibt es noch Olivenhaine und Olivenhaine und Olivenhaine. Aber es wird nicht langweilig, weil es so etwas in Deutschland einfach mal nicht gibt. Und für Italiener wird es auch nicht langweilig, weil es für sie ganz natürlich ist.

Aldo über Badalucco

Aldo über Badalucco

Bei uns würde sich auch keiner über Weizenfelder beschweren.
Der malerische Ort Badalucco, wo wir uns die Ölmühle Olio Roi angesehen haben, liegt im Valle Argentina. Im Ortskern sind seine zwei Brücken aus dem Spätmittelalter berühmt.

Am Strand von Laigueglia

Am Strand von Laigueglia

Über die Via Aurelia kamen wir nach Laigueglia, einem wunderschönen Ort am Meer. Dort haben wir in einem Strandcafé unsere Cappuccini genossen. Obwohl schon Ende Oktober ist, lief der braun gebrannte Barbesitzer in kurzen Hosen herum. Es waren nur noch wenige Touristen vor Ort und das Wetter war ideal für einen Strandspaziergang oder einen Eisbecher. Die Atmosphäre war unglaublich entspannt und eben nicht so stressig, wie man es von einem italienischen Strand erwarten könnte.