Südtirol

Zu Besuch bei Herstellern von italienischen Delikatessen in Südtirol.

Wie unterscheiden sich Marmelade, Konfitüre und Fruchtaufstrich?

Umgangssprachlich sagt man wohl zu allen Brotaufstrichen, die irgendwie aus Früchten hergestellt sind, „Marmelade“. Dass es da feine Unterschiede zwischen Marmelade und Konfitüre gibt, wissen sicher die wenigsten und halten „Konfitüre“ einfach für ein vornehmeres Wort. Als wir auf dem Außerperskolerhof waren, hat uns Rudi Maier das erklärt.

Quittenkonfitüre

Quittenkonfitüre

Ich habe gerade noch einmal ein bisschen im Internet recherchiert und versuche es hier mal darzulegen. Als „Marmelade“ wird also traditionell und auch umgangssprachlich ein Brotaufstrich bezeichnet, der aus mit Zucker eingekochten Früchten (und nach Belieben auch Gewürze wie Zimt oder Vanille) hergestellt wird. Das Wort „Marmelade“ selbst leitet sich wohl vom portugiesischen Wort marmelada für „Quittenmus“ ab. Quittenkonfitüre scheint also eine sehr frühe Form gewesen zu sein. Das Wort „Konfitüre“ hingegen leitet sich vom französischen confiture ab, was soviel wie „Eingemachtes“ bedeutet. Es kam mit vielen anderen Wörtern aus dem Französischen im 17. Jahrhundert ins Deutsche, als neben der französischen Mode auch die entsprechenden Bezeichnungen entlehnt wurden. Und irgendwie klingt „Konfitüre“ vornehmer als „Marmelade“, vielleicht weil der Mund so vornehm gerundet wird?
Jedenfalls hat die Europäische Gemeinschaft 1982 eine Konfitürenverordnung erlassen, nach der nur noch Eingemachtes aus Zitrusfrüchten in Werbung und Verkauf als „Marmelade“ bezeichnet werden darf. Wie das immer so ist mit Sprachregelungen, dauert es eine Weile, bis sie sich durchsetzen. Aus dem Englischunterricht erinnert man sich vielleicht, dass Orangenmarmelade als “marmelade” und z.B. Brombeermarmelade als “jam” bezeichnet wurde. Es wurde also der englische Sprachgebrauch europaweit vorgeschrieben.

Die indischen Laufenten, die auf dem Außerperskolerhof gegen Schnecken eingesetzt werden.

Die indischen Laufenten, die auf dem Außerperskolerhof gegen Schnecken eingesetzt werden.

Auf dem Außerperskolerhof werden aber gar keine Marmeladen hergestellt, sondern (neben veganem Honig aus Löwenzahnblüten und Fichtenextrakt sowie Fruchtessigen) „nur“ Fruchtaufstriche, diese aber aus Brombeeren, Him- und Preiselbeeren, Jostabeeren, Himbeeren und Johannisbeeren. Was ist das jetzt wieder Fruchtaufstrich?

Sizilianische Orangenmarmelade

Sizilianische Orangenmarmelade

In der Konfitürenverordnung sind die Begriffe „Konfitüre“ und „Konfitüre extra“, „Gelee“ und „Gelee extra“, „Marmelade“, „Gelee-Marmelade“ und „Maronenkrem“ danach definiert, wie viel Fruchtmark oder Pülpe pro 1000g Enderzeugnis enthalten sein müssen. Innerhalb der einzelnen Erzeugnisse ist der Anteil noch einmal je nach Frucht unterschiedlich. Alles, was von den Vorschriften von Konfitüre abweicht, ist den anderen Begriffen zuzuordnen. Gelee wird ja zum Beispiel nur aus Fruchtsaft und nicht aus der ganzen Frucht hergestellt. Fruchtaufstriche unterscheiden sich insofern, als dass sie weniger Zucker oder andere Süßungsstoffe enthalten dürfen. Daraus kann man also schließen, dass das auf dem Außerperskolerhof eingekochte Obst zahnfreundlicher ist, da es weniger Zucker als Marmelade oder Konfitüre enthält.

Die Gläser werden von Hand hübsch verziert.

Die Gläser werden von Hand hübsch verziert.

Nachdem ich mich in das Thema etwas eingelesen habe, kann ich ganz gut verstehen, warum so wenige die Konfitürenverordnung kennen. Da Fruchtaufstriche am wenigsten Zucker enthalten und daher der Geschmack der Früchte purer und der Genuss zahnfreundlicher ist, bevorzuge ich Fruchtaufstriche.

Südtiroler Kaminwurzen und Südtiroler Schinkenspeck

aufgeschnittener Schinkenspeck - da läuft einem das Wasser im Munde zusammen

aufgeschnittener Schinkenspeck - da läuft einem das Wasser im Munde zusammen

Rustikale Köstlichkeiten sind die Wurstwaren aus Südtirol Kaminwurzen und Schinkenspeck, die auf eine lange Tradition zurückblicken können. Sie stehen kulinarisch als Mittler zwischen der Konservierungstechnik der nordalpinen Räuchertechnik und der italienischen Lufttrocken-Technik. Die warmen Winde des Südens wurden seit Jahrhunderten von den Völkern Italiens verwendet, um Fleisch länger haltbar zu machen. In den kälteren Regionen, wo die warmen Winde fehlen, stellten die frühen Menschen fest, dass Fleisch durch Räuchern konserviert werden kann.

Die geheime Würzmischung wird aufgetragen.

Die geheime Würzmischung wird aufgetragen.

Für Südtiroler Schinkenspeck werden harzarme Holzarten und Wacholder verwendet. Die Temperatur des Rauchs darf 20°C nicht überschreiten, weil sonst der Speck zwar schneller reifen würde, aber der typische Geschmack verfälscht würde. Danach wird der Schinkenspeck luftgetrocknet, allerdings für eine kürzere Zeitspanne als bei Prosciutto, nämlich nur mindestens 22 Wochen. Während dieser Zeit verliert der Schinken durch Wasserverlust 40 % seines ursprünglichen Gewichtes. Die geheime Gewürzmischung wirkt während dieser Zeit und durch den Verlust der Flüssigkeit wird der Geschmack intensiver. Solange der Schinkenspeck trocknet, kommt es ganz natürlich zu Schimmelbildung. Diese ist für den steinpilzartigen Geschmack verantwortlich, wird allerdings am Ende der Reifephase abgewaschen.

In Italien wird der Südtiroler Schinkenspeck kurz „Speck“ genannt und neben dem Genuss auf Brot zu Saucen verarbeitet.

Lufttrocken in Südtirol - man könnte neidisch auf die Würste werden

Lufttrocken in Südtirol - man könnte neidisch auf die Würste werden

Bei den Kaminwurzen ist die Herstellung ähnlich. Auch die knackigen Würste werden zunächst geräuchert und dann luftgetrocknet. Während aber der Schinkenspeck mit einem Mindestgewicht von 3,7 kg recht reichhaltig ist und für die Herstellung einigen Platz benötigt, sind die Kaminwurzen handlicher. Sie wurden ursprünglich auf den Dachböden der Bauernhäuser im Kamin geräuchert – daher haben sie auch ihren Namen. Kaminwurzen werden gern paarweise als Zwischenmahlzeit zum Wandern mitgenommen oder dienten als Ration für die Hirten.

Bruschetta und Dörrobst vom Kandlwaalhof in Südtirol

Wenn man sich bei der Arbeit wie im Urlaub fühlt, kann es nur ein Besuch auf einem Hof wie dem Kandlwaalhof in Laas in Südtirol sein. Vier Generationen leben und arbeiten auf dem Hof im Vinschgau. Der Blick vom Hof über das unberührte Sudertal ist einfach überwältigend. Man kann kilometerweit blicken, ohne dass die Aussicht von Industrieanlagen getrübt würde.

Karl Luggin

Karl Luggin

Karl Luggin führt in zweiter Generation den 1959 erbauten Betrieb, in dem vor allem Dörrobst wie Erdbeeren, Weirouge-Äpfel, (die sich durch die kräftig rote Farbe der Schale und den Rotton des Fruchtfleischs auszeichnen), Birnen, Marillen und Pflaumen sowie verschiedene Fruchtessige aus Äpfeln, Himbeeren und Birnen hergestellt werden.

Ein kleiner Genießer von Trockenfrüchten.

Ein kleiner Genießer von Trockenfrüchten.

Außerdem werden aus dem biologisch angebauten Obst auch naturtrüber Apfelsaft, Weirouge-Apfelsaft und Champagnerapfel-
essig
gewonnen. Das Obst und die aromatischen Kräuter wachsen auf sonnigen Hängen 900 m über dem Meeresspiegel, bei einem ausgeglichenen Klima. Auf seiner acht Hektar großen Anbaufläche kultiviert Karl Luggin hauptsächlich Äpfel, die zwischen Ende September und Ende Oktober geerntet werden. Die Früchte werden gesäubert und in der hauseigenen Presse verarbeitet. Der Apfelsaft bleibt naturtrüb, denn er wird weder gefiltert noch geklärt. Jede Flasche enthält wirklich 100% Apfelsaft, denn es werden keinerlei Zusatzstoffe beigemischt. Auch die Trockenfrüchte aus eigenem Anbau enthalten keinerlei Zusatzstoffe wie Schwefel o.ä. In einem schonenden Verfahren wird das Obst zu Dörrobst luftgetrocknet, so dass lediglich Wasser entzogen wird. Alle wichtigen Inhaltsstoffe wie Vitamine und Fruchtzucker bleiben enthalten. Das Dörrobst mit der charakteristischen kräftigen Farbgebung kann man ins Müsli geben oder zwischendurch als gesunden Snack zu sich nehmen.

Mutter und Vater Luggin helfen noch mit

Mutter und Vater Luggin helfen noch mit

Etwas neuer ist die Produktion von getrockneten Tomaten und Bruschetta. Die getrockneten Tomaten eignen sich hervorragend als Antipasto oder für die Zubereitung von Pesto rosso. Aus der typisch italienischen Küche haben die Luggins Bruschetta in ihr Produktionssortiment aufgenommen. Bruschette, wie der italienische Plural heißt, sind eigentlich jedem als Vorspeise beim Italiener bekannt. In Deutschland sind Bruschette meist mit gewürfelten Tomaten und Kräutern oder Kräutersalz belegt, aber in Italien gibt es viel mehr Varianten mit verschiedenen Cremes aus Gemüse, Kräutern oder Fisch. Nachdem wir uns mit genügend gesundem Trockenobst für die lange Autofahrt versorgt hatten, machten wir uns schweren Herzens wieder auf den Weg.