Reise durchs Schlaraffenland – Internationale Süßwarenmesse in Köln

Feinkost-Messen, Internationale Spezialitäten

In Köln werden Kindheitsträume war! Mein Besuch der Internationalen Süßwarenmesse war wie eine Reise durchs Schlaraffenland.

An jeder Ecke wartet ein wirklich zuvorkommender Anbieter nur darauf, dir von seinen Spezialitäten etwas zum Probieren zu geben. Der Duft nach Schokolade, Kuchen und anderen Sünden zieht dich wie magisch von einem Stand zum nächsten. Drei fand ich besonders beeindruckend.

Der erste Stand gehörte der Firma Corsini Biscotti. Schnell kam ich mit Raffaella Baldi und Alessio Durazzi ins Gespräch. Sie erzählten mir, dass die Firma in Casteldelpiano seit 1921 existiert.

Ihre Spezialität ist ein 12,5 kg schwerer Panettone (Weihnachtskuchen)! Wie man sich vorstellen kann, wird der nicht maschinell hergestellt sondern nach alter Tradition von Hand. Wegen seiner gewaltigen Größe braucht man zwei bis drei Personen und mehrere Tage, um ihn zu formen. Bei der Masse an Teig fällt es bestimmt kaum auf, wenn man mal davon nascht! 😉

Panettone

Panettone

Raffaella und Alessio erzählten mir stolz, dass ihr Panettone vom Gambero Rosso (dem Pendant zum deutschen Feinschmecker) in die Top Ten der Panettone gewählt wurde. Unter den Favoriten der Pandoro (er stammt ursprünglich aus Verona, während der Panettone aus Mailand kommt) hat er es sogar bis unter die Top Fünf geschafft!

Während ich von dem leckeren Panettone aß (Stollen ist gar nichts dagegen!), zeigten mir Raffaella und Alessio ihre anderen Spezialitäten: Cantuccini, Ricciarelli (toskanische Mandelkekse) und Panforte. Der letzte ist auch ein Weihnachtsgebäck aus der Toskana und so ähnlich wie Lebkuchen, aber grober. Die Azienda Corsini verwendet dafür 70%-ige schwarze Schokolade. Da ich eh schon in Weihnachtsstimmung war, musste ich die auch probieren – SENSATIONELL! Italienische Kinder müssen zur Weihnachtszeit viel glücklicher sein als deutsche.

Außerdem backt Corsini auch Rustici, ein süßes oder salziges Blätterteiggebäck. Die salzigen haben sie mir zu Wein empfohlen. Noch etwas fand ich erstaunlich: Die Hefe, die in der Bäckerei verwendet wird, ist seit 35 Jahren dieselbe.

Ich konnte mich kaum von den Leckereien losreißen, aber ich wollte ja noch mehr Stände sehen.

Der nächste war der der Offellaria Tacchinardi.

Aldo im Gespräch mit Tiziana

Aldo im Gespräch mit Tiziana

Wie ich von Tiziana erfuhr, haben sie ihren Sitz in der Lombardei. Die kleine Pasticceria, stellt heute noch alles nach den überlieferten traditionellen Rezepten wie einst her. Zum Beispiel verwenden sie immernoch die Butter „affiorato“, die noch wie im Mittelalter hergestellt wird. Alle ihre Zutaten bekommen sie aus der Region. Einige der süßen Sünden, die Tiziana und ihr Mann mir angeboten haben, bestanden zu 30% aus Butter!

Tiziana unterrichtet an der Università di Scienze Gastronomiche in Bra (bei Turin) – die Slow-Food-Universität. Man kann dann wohl davon ausgehen, dass nicht nur Traditionen in die Herstellung der Leckereien fließen, sondern auch neueste Erkenntnisse aus der “Keksologie”. 😉 Zum Beispiel sind ihre Verpackungen durch Studien an der Universität verbessert worden.

Auch werden keine chemischen Konservierungsstoffe verwendet, sondern natürlicher „azoto“ konserviert das Gebäck für ein Jahr.

Inzwischen grübelte ich vor lauter Süßzeug ernsthaft, ob ich meine Zahnbürste mitgenommen hatte. Nachdem ich wehmütig von Tiziana Abschied genommen hatte, zog es mich an einen Stand, der mal nichts Gebackenes im Angebot hatte. Morena Mistrangelo von der Pastiglie Leone ließ mich einige ihrer Pastillen kosten. Die Firma mit Sitz in Turin gibt es schon seit 1857. Neben Früchtepastillen stellen sie auch Schokoladen, Pralinen, Gianduiotti und andere Süßigkeiten her. Und die schmecken nicht nur super, sondern haben teilweise auch echt schöne altmodische Verpackungen. Naja, das Auge isst ja mit.

(Gianduiotto leitet sich übrigens von dem Namen für eine Maske der Commedia del’arte her, dessen Form die Schokolade wohl hat, wenn ich das richtig verstanden habe. Sie sieht aus wie ein umgedrehtes Boot.)

Jedenfalls sind die Süßigkeiten der Pastiglie so gut, dass sie früher Hoflieferant der königlichen Familie von Savoy waren! Die Savoys müssen Leckermäuler gewesen sein, denn sie haben der Firma zwei riesige Portraits von sich geschenkt, die noch heute in den historischen Gebäuden in der Turiner Altstadt hängen. Wenn ich mal hinfahre, werde ich schauen, ob die Prinzen und Prinzessinnen einen Schokobart haben! Obwohl ich mich sowieso schon wie im Märchen fühlte, musste ich unbedingt auch von den königlichen Süßspeisen kosten – wie erwartet ein Hochgenuss! Ich wollte Morena auch mein Portrait dalassen, aber es war gerade kein Maler zugegen.

Ich muss sagen, obwohl ich um 7 gefrühstückt hatte (warum eigentlich?), hatte ich bis abends keinen Hunger, weil ich mich so mit köstlichen Süßigkeiten vollgestopft hatte. Die Zahnbürste hatte ich tatsächlich vergessen, aber im Hotel habe ich problemlos eine bekommen. Ich weiß schon, wovon ich heute Nacht träumen werde.

Eine Antwort zu “Reise durchs Schlaraffenland – Internationale Süßwarenmesse in Köln”

  1. Cilento sagt:

    Süßwarenmesse?Mir läuft das Wasser im Mund zusammen…

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